Donnerstag, 27. Mai 2021

Mein CD Regal

 Baden Metal Sampler


Ich habe es das ein oder andere mal schon erwähnt: Musik entdecke ich recht häufig im JuZe ums Eck. Und ja, ich habe die Sampler aus der Baden Metal Reihe alle schon einmal einzeln vorgestellt. Die Artikel dazu findet ihr in der Rubrik mein „CD Regal“. Warum also noch einmal zu diesem Thema schreiben? Erstens: Die Dinger sind schlicht und ergreifend gut. Selbst die Scheibe mit Bands aus Schwaben – lokale Nickligkeiten lasse ich da außen vor. Auf allen vier CDs ist die volle Breite dessen, was der Underground zu bieten hat, vertreten. Black, Death, Power, Thrash – und einige Sub Subgenres, die noch mehr Adjektive benutzen.

Zum anderen ist mir bewusst, dass die paar Besucher auf meinem Blog selten anfangen, zu stöbern. Deshalb erwähne ich Dinge, die mir persönlich am Herzen liegen, immer wieder. Wie eben gemütliche Konzerte kleiner Bands mit unleserlichen Logos. Die paar, welchen ich damit auf die Nerven gehe, mögen es mir verzeihen.

Außerdem: so etwas feines wie die Baden Metal Reihe kann man gar nicht oft genug erwähnen. Die Auswahl an Bands ist größtenteils wirklich ausgewogen und so bunt wie die Szene selbst. Gut, der Dritte ist etwas Death lastig. Was mich persönlich null stört. Dazu kommt, dass jede Band im Digipack mit Photo, Besetzung und einer Kontaktadresse vorgestellt wird. Wenn einem also etwas richtig vom Hocker haut, kann man gleich bei der Band direkt weiter stöbern.

Der Nachteil ist allerdings auch, dass viele Gruppen, gerade auf den älteren Samplern, gar nicht mehr existieren. Wie zum Beispiel die von mir hoch geschätzten Crimson Death. Vor allen Dingen live haben die mich des öfteren ins Schwitzen gebracht. Dummerweise habe ich es damals verpasst, mir einen Silberling zu holen. Zombieslut existieren noch. Heißen aber anders. Unter dem Banner „Baleful Abyss“ machen sie weiterhin genau das gleiche – Death Metal im Format einer Dampfwalze. Andere wiederum existieren sehr wohl noch und sind erfolgreicher denn je. The Prophecy 23 haben zum Beispiel letztes Jahr mit „Fresh Metal“ die Album Charts geknackt. Bei denen ist der Name übrigens Programm: Fresh!

In Zeiten, wo das letzte Konzert für mich im Dezember 2019 war und das nächste – ich glaube daran einfach mal ganz fest – im July 2021 stattfinden wird, sind die Sampler zusätzlich noch ein kleines Trostpflaster für daheim. Alle vier in eine Playlist stopfen, Bierchen aufmachen und auf Play drücken. Home JuZe, quasi. Kein richtiger Ersatz für verschwitzte und vertanzte Abende. Aber immerhin.

Ich bin einfach mal zuversichtlich, dass in den kommenden Monaten ein halbwegs normales weggehen wieder möglich ist. Mit einem guten Hygiene Konzept, dem Dreigestirn Genesen\Geimpft\Getestet – letzteres wohl noch lange bei mir – und ein bisschen gesundem Menschenverstand, an den ich tatsächlich immer noch glaube, wird das hoffentlich bald alles wieder möglich werden.

Donnerstag, 20. Mai 2021

Raus. Gehen.

 

Wandernde Gedanken – Gedanken zum Wandern

 

Blick vom hessischen Ochsenkopf auf das badische Dilsberg


„Raus. Gehen.“ liegt jetzt schon seit gut einem Jahr brach. Das heißt nicht, dass ich diese Rubrik eingestampft habe. Auch nicht, dass ich die Wanderschuhe an den Nagel gehängt habe. Im Gegenteil, Situationsbedingt zieht es mich im Moment mehr ins Grüne als sonst. Aber eher zu kurzen Spaziergängen als großen Touren. Kleine Runden vor der Haustüre oder mal mit dem Zug ein Stück weiter. Aber lange Tageswanderungen in neuen Gegenden – das hat einfach nicht mehr geklappt. Die Gründe dafür sind recht unterschiedlich.

Wandern ist gerade sehr beliebt. Damit meine ich nicht den allgemeinen Beliebtheitsanstieg der letzten Jahre – Wandern hat sein leicht angestaubtes Image mit Begriffen wie „Outdoor“, „Naturerlebnis“ und „Adventure Trails“ immer mehr abgestreift. Nein, ich meine den plötzlichen, Covid bedingten Ansprung. Plötzlich ist jeder, aber wirklich jeder im Wald unterwegs. Was verständlich und auch im Grunde nicht schlimm ist. Für mich persönlich ist es aber ein Problem. Gerade auf den Etappen des Neckarsteigs, die ich die letzten Jahren immer wieder mal gelaufen bin, oder auf den Rundtouren im Schwarzwald herrscht an manchen Tagen richtig reger Betrieb. Ich gehe aber eigentlich raus, um wenig bis gar keinen Menschen zu sehen – also halte ich mich von den großen Hotspots fern. Im Umkreis von meinem Wohnort lässt es sich eh wunderbar laufen – Neckartal, Kraichgau und Odenwald treffen hier aufeinander und ermöglichen es mir, auch mal kleine Runden zu laufen, ohne dass es zu schnell langweilig wird . Aber auch die werden mit fortlaufender Pandemie immer voller. Einfach mal so raus, auf die leicht abseits im Wald gelegene Lieblingsbank sitzen und lesen, Musik hören oder einfach nur die Welt Welt sein lassen? Selbst wenn sie mal frei sein sollte, ist das schwierig. Weil sich in der Nähe ganze Kolonnen Menschen durch schieben. Klingt übertrieben? Vielleicht, ein bisschen. Aber wirklich abspannen kann ich beim laufen gerade nicht.

Der andere Punkt, der mich von großen Tagestouren abhält, betrifft die Gastronomie. Klingt jetzt vielleicht etwas doof und verwöhnt, aber das einkehren gehört bei mich zum Wandern dazu. Ein frisch gezapftes Bier nach anstrengenden Kilometern – klischeehaft. Aber gut. Natürlich, man kann Trinken und Vesper auch mit nehmen, was ich eh auch immer mache. Es geht nicht darum, dass ich ohne Gastro beim Wandern verdurste oder verhungere. Es rundet einfach für mich den Tag ab, wenn man in der Mitte irgendwo gemütlich im Biergarten sitzt und am Ende, als Belohnung, sich ein gutes Essen gönnt. Außerdem, und das klingt nur so lange banal, wie es selbstverständlich ist, fehlen die Toiletten. Natürlich, man kann auch in den Wald – aber mal ehrlich: so wirklich angenehm ist dass nicht. Und wenn man so 8 Stunden unterwegs ist, ist eine Keramikschüssel einfach irgendwann angenehm.

Nun ja, das klingt jetzt, wenn ich mir das nochmal so durch lese, als ob ich den Leuten das Wandern nicht gönne. Das ist nicht der Punkt. Rausgehen und den Akku draußen aufladen finde ich wirklich wichtig und sollte jedem, dem es auch so geht, möglich sein. Mir wird es nur einfach zu voll. Und während nun also Alles raus strömt, verbringe ich etwas mehr Zeit drinnen. Meine Modelraumschiffflotte ist schon beträchtlich gewachsen. Bird of Prey, Kirks alte Schüssel und ein Vor Cha Kreuzer von „Metal Earth“ stehen neben Legos aktuellem Space Shuttle zum Geburtstag der „Discovery“. Und ich nutze die Zeit zum Touren planen für den Frühsommer, wenn alles – vielleicht – etwas normaler ist. Einen Vorteil hat es nämlich, dass nun jeder raus will: Die Zeitungen, Magazine und Blogs sind voll mit Wanderungen direkt vor oder nicht weit von der Haustüre entfernt. Da ist einiges dabei, was ich so noch nicht kenne. Viel zu entdecken also. Bald heißt es wieder für mich: Raus. Gehen.

Donnerstag, 13. Mai 2021

Donnerstag, 6. Mai 2021

Mein CD Regal

 

Cinderella

Night Songs

 

Zugegeben, was Glam Rock, Hair Metal und Verwandtes betrifft, wohne ich komplett im Tal der Ahnungslosen. Gut, von Steel Panther und Kissin Dynamite haben sich CDs in meine Sammlung geschlichen. Von den ganz großen Namen und alten Hasen dieses Subgenres wie Skid Row oder Europe habe ich auch schon mal gehört. Aber viel mehr als dass, was im Radio an Singles gespielt wird, kenne ich nicht. Und ich habe auch kein allzu großes Bedürfnis, daran viel zu ändern. Das fällt für mich unter die Kategorie: Nett wenn es mal läuft. Aber nichts, weswegen ich sofort in den nächsten Plattenladen marschieren würde.

In Karlsruhe gab es eine Discothek, die sich auf Rock und Metal spezialisiert hatte. Auf dem großen, ersten Floor lief Alles, was da irgendwie rein passt – von Rock über Mitelalter zu Gothic, Industrial zu Metal und dann wieder zurück. Jeder hat sich darüber beschwert, dass nur Mainstream und jedes mal das Gleiche läuft. Hingegangen sind doch Alle. Man konnte im Raucherbereich gut quatschen. Und: es gab ja noch den zweiten Floor. Deutlich weniger Leute, ebenfalls eine Bar und jeden Freitag ein anderer Themenschwerpunkt. Einer davon: Poser Night. Sprich Glam Rock und Hair Metal ohne Ende, die ganze Nacht durch. Wie Eingangs erwähnt, zum nebenher hören ist das ja für mich ganz nett. Und so war die Poser Night immer mit einer der gemütlichsten Abende. Hinsetzen, Bierchen trinken und dabei Musik hören, die tatsächlich, ganz klischeehaft, mit jedem Bier angenehmer wird. Und ganz wichtig: Leute beobachten. Ein Punkt, der für Glam Rock nun einmal unabdingbar ist, und die auf Platte halt einfach fehlt, kam an diesen Abenden nämlich dazu. Die Optik. Es gab immer ein paar Jungs und Mädels, für die die 70er und 80er gerade erst gestern Abend waren. Spandex Hosen, Löwen Mähnen, quietsche bunte Klamotten: Stilecht wie die musikalischen Vorbilder gekleidet, mit jeder Menge Bier und Luftgitarrensoli hatten ein paar sichtbar ihren Spaß bei der Musik.

Das ist für mich der Hauptgrund, warum ich wenig CDs in dieser Richtung habe: musikalisch eher solider Durchschnitt, ist es vor allen Dingen die Optik und der exzessiv dargestellte Rockn Roll Lifestyle, der Bands wie Mötley Crüe so richtig prägen. Davon ist auf CD einfach nicht viel einzufangen, sieht man von schrillen Bandphotos und selbstverliebten Texten mal ab.

Und dennoch habe ich Cinderella hier liegen. Tja, als ich beim stöbern drüber gestolpert bin und die explodierten Pudel auf dem Cover gesehen habe, wollte ich sie eigentlich zurückstellen. Beim bezahlen hab ich dann festgestellt, dass die Platte sich irgendwie doch mit geschummelt hat. Naja, was solls – im schlimmsten Fall hab ich ein skurriles Cover. Rein hören kann man ja mal. Statt des erwarteten Staubfängers habe ich nun einen Silberling, dessen Songs Dauergast in meinen Playlisten geworden sind. Dabei machen sie technisch wirklich nichts, aber auch gar nichts anders, als alle anderen aus diesem Dunstkreis. Es ist songschreiberisch und spielerisch alles recht solide, kommt völlig ohne Überraschungen, Höhe – und Tiefpunkte aus. Handfest, nicht mehr, nicht weniger. Trotzdem gefällt mir das einfach richtig gut. Warum? Keine Ahnung, aber solche CDs sind der Grund, warum ich mich auf diesem Blog bewusst gegen klassische „Song für Song“ Reviews entschieden habe. Es gibt einfach zu viele subjektive Einflüsse, die über hui oder pfui entscheiden. Musik, die man eigentlich vom Stil her mag, im falschen Moment gehört? Möp, vorbei. Andersherum kann es dann eben, wie bei Night Songs, auch gehen. Vielleicht ist es einfach die Freude, so ein altes Schmuckstück auf dem Wühltisch zu finden. Oder ich war einfach gut drauf. Wie auch immer, Musik, die sonst nur ab dem fünften Bier bei mir zündet, funktioniert von Cinderella auch nüchtern. Eine dieser fast vergessenen 80iger Perlen.

Donnerstag, 29. April 2021

Aus dem Nähkästchen

 

Fehler


Ich sitze am Schreibtisch. Vor mir ein frischer, heißer Kaffee. Schwarz. Ohne Milch. Der Dritte. Glaube ich. Mein Kopf weigert sich schon den ganzen Tag, vernünftig zu arbeiten. Kaffee hilft ein bisschen dabei, den Nebel, der über den Gedanken liegen zu scheint, zu vertreiben. Kurz nur, aber immerhin. Es reicht, um die Rohfassung meines Textes von schwer leserlichen, fast schon kryptischen Notizen, handgeschrieben auf mehreren Zetteln verteilt, zu einem zusammenhängenden, gut lesbaren Beitrag für meinen Blog zu bringen. Nun muss ich ihn nur kurz liegen lassen, später noch einmal durchlesen, um so die schlimmsten Logik und Rechtschreibfehler zu finden, und dann kann ich ihn auch schon hochstellen. Mein wöchentlicher Beitrag mit meinen Gedanken zur Musik, oder über das Lesen, oder über die Welt an sich.

Zeit, sich mal wieder auf den neuesten Stand darüber, was außerhalb meiner Wohnung so vor sich geht, zu bringen. Ein Fehler. Das liegt nicht an den Nachrichten per se. Ich informiere mich über den täglichen Wahnsinn meist über die Internetportale der öffentlich rechtlichen. Das macht den Eier Tanz Kurs der Regierung, das schwarze Peter Spiel „Wirecard“ oder das auf perfide weiße unterhaltsame Trauerspiel der CDU\CSU in der Causa Kanzlerkandidat nicht besser. Aber wenigstens ist es solide recherchiert und meistens gut zu lesen. Problematisch wird es, wenn ich nach dem lesen eine Artikels dumm genug bin, einen Blick in die Kommentarspalte zu werfen.

Es gibt nichts Besseres, um sich den Tag gründlich zu vermiesen. Da tun sich einem Abgründe auf. Alleine die Art und Weiße, wie die Grammatik dort verdreht und gebogen wird, ist schon ein Albtraum für sich. Da fällt die Rechtschreibung gar nicht mehr so auf. Der Duden ist wohl nur noch ein Serviervorschlag. Aber nun gut, wie soll man auch vernünftig formulieren und die Fehler finden, wenn einem vor Wut der Kamm derartig schwillt? Beleidigungen, Drohungen, Verdrehung von Geschichte und Werten: das Thema ist eigentlich egal. Ob Covid, die Grüne Kanzlerkandidatur oder der Sack Reiß in Hintertupfingen: überall gibt es mindestens eine Person, die ihre Wut ungefiltert ins Internet schreit. Und mindestens zwei, die sich davon getriggert fühlen. Worauf hin wieder...ihr wisst was ich meine. Niveau Limbo. Man könnte ja darüber lachen. Aber es wird in Rekordzeit ein Tiefpunkt nach dem Anderen erreicht. Da wird einem Stellenweiße richtig schlecht.

Ticken die Leute wirklich so? Oder ist dass der Mut, der sich durch die gefühlte Anonymität des Internets einstellt? Kann man das als Stammtisch Macho Gehabe abtun? Oder brodelt da wirklich ein sexistischer, antidemokratischer brauner Mob? Und ist der auch so groß, wie er laut ist? Fragen, die einem wirklich auf das Gemüt gehen. Und wenn man dann den nächsten Fehler macht, und eine Bundestagsdebatte anschaut, in der ausgerechnet Herr Gauland sich als Retter der Demokratie, des Föderalismus und der Meinungsfreiheit aufschwingt, wird es richtig düster.

Den fast fertigen Text lass ich erst einmal liegen. Ich muss mir jetzt erst einmal was zum Stimmungsaufhellen anhören. Swallow the Sun vielleicht. Oder Paradise Lost. Irgendwas fröhlicheres als das Internet.

Donnerstag, 22. April 2021

Mein CD Regal

 

Arch Enemy

Anthems of Rebellion

 

 

Manche Bands gehen mir auf die Nerven, bevor ich sie überhaupt richtig gehört habe. Besonders dann, wenn sie einfach omnipräsent sind, ohne dass sich mir dafür ein überzeugender Grund erschließt. Berichte, Titelstorys und Interviews in allen großen, mittleren und kleinen Musikmagazinen. Tonnenweise Musik, Live und Behind the Was auch immer Videos auf den Kanälen der Plattenfirmen. Der zehn tausendste Langhaarige, der zufällig auf einem Konzert neben einem steht, dir alles erzählt, was dich nicht interessiert und natürlich ganz sicher weis: diese eine Band ist das Beste seit immer. „Was, die kennst du nicht? Sicher, dass du Heavy Metal hörst?“Dann gibt man sich einen Ruck, hört sich ein oder zwei der Singles an, um endlich auch an der total neuen, innovativen und lebensveränderten Musik teilzuhaben und stellt fest: altbekannte Genre Zutaten, neu abgeschmeckt und trendig serviert. Wein und Schläuche, ihr wisst Bescheid. Kurzum: Der Hype um einige Bands und das was dann wirklich auf der Haben Seite steht, geht relativ häufig weit auseinander. Deshalb mache ich oft einen Bogen darum.

So ist es mir auch mit Arch Enemy gegangen. 2005 habe ich „My Apocalypse“ das erste mal gehört und fand das eigentlich ganz nett. Bevor ich mich jedoch näher damit auseinandersetzen konnte, kam die Arch Enemy Maschine richtig in Fahrt und plötzlich waren sie überall. 2008 hab ich sie auf dem „Summer Breeze“ noch Live erlebt und weiß – ich hatte richtig Spaß bei denen. Andererseits: es war mein erste großes Festival. Da fand ich Alles gut. Um Crewmitglied Nummer 8 zu zitieren: „Ich bin einfach so wahnsinnig froh, dabei zu sein“. Damit war die Band dann auch erledigt für mich. Alles, was danach kam, klang für mich – ich beziehe mich ausschließlich auf die Singles – unspektakulär und austauschbar. Daran änderte auch der Sängerinnen Wechsel nichts.

Im Hinterkopf habe ich jedoch immer das wuchtige „My Apcalypse“ behalten und ahnte, dass bei den Melodic Deathern ein Blick nach hinten nicht schadet. Deshalb habe ich sofort zu gegriffen, als ich beim stöbern die 2003 erschienene „Anthems of Rebellion“ in die Finger bekam.

Tja, früher war Alles besser ist eine bei Metalern beliebte Floskel. Manchmal ist aber was dran. Die CD kommt recht wuchtig und ziemlich direkt daher. Nach kurzem – und überflüssigem, ihr kennt da meine Meinung – Intro geht es direkt auf die zwölf und die Band feuert aus allen Rohren. Schnell, brutal und ziemlich gerade aus. Angela Gossow klingt aggressiv und angriffslustig. Ein paar akustische Zwischenspiel bieten kurze verschnauf Pausen. An und für sich alles die Zutaten, die ein ordentliches Melodic Death Album ausmachen. Bei einzelnen Songs funktioniert die Mischung auch – aber am Stück gehört wirkt es irgendwie dann doch recht austauschbar. Vielleicht sind es die Refrains, die irgendwie zu dudelig wirken und wie ein großer Gleichmacher wirken, die den Stücken ein bisschen den Biss rauben und beliebig erscheinen lassen. Für mich bleibt dadurch ein nettes Melodic Death Album mit ein paar richtig starken Stücken und viel Mittelmaß, dass sicher seine Nische in meiner Playlist finden wird. Warum „Arch Enemy“ jedoch so gefeiert werden, weiß ich immer noch nicht. Vielleicht muss ich mal der „Doomsday Machiene“ ein Ohr leihen.

Ein Wort noch zum Cover: zugegeben, die Masse, die blind in eine Richtung läuft und die Person, die sich einzeln dagegen stellt, ist nicht gerade das originellste Motiv, das jemals eine Metal Platte geziert hat. Spontan fällt mir da Anthrax ein, oder Regicide. Aber das ist ja egal, der düster dystopische Stil gefällt mir persönlich sehr gut und macht die Front zum persönlichen Highlight der CD für mich.

Donnerstag, 15. April 2021

Bücherkiste

 Richard Schwartz

Askir – Die komplette Saga


Ein Sturm zwingt den Krieger Havald, in einem alten Gasthaus an der Grenze zur Wildnis Schutz zu suchen. Ein paar Händler, Söldner und zwielichtige Reisende haben sich dort schon eingerichtet. Der Sturm wird immer schlimmer. Kurz, bevor der Hof ganz ein schneit, erreicht noch eine junge Magierin den sicheren Hafen. Der Schnee fällt weiter, der Sturm tobt scheinbar endlos. Die Stimmung wird immer gereizter. Und zu allem Überfluss geht eine blutrünstige Bestie nachts auf die Jagd nach frischem Menschenfleisch.

Die Ausgangslage des ersten Buches „Das erste Horn“ verspricht von Anfang an vor allem eines: spannungsgeladene, klassische Fantasy Unterhaltung. Fast schon Kammerspielartig fühlt man beim lesen regelrecht die Spannung, die sich zwischen den Eingeschneiten langsam aufbaut. Ganz ehrlich, dieser Auftakt der Reihe „Das Geheimnis von Askir“ gehört für mich zum Besten, was ich bisher an Fantasy Literatur gelesen habe.

Richard Schwartz ist nach eigener Angabe ein jahrelanger Rollenspielleiter. Ein bisschen merkt man dass seiner eigenen Welt auch an. Im weiteren Verlauf der Handlung, wenn die Ereignisse sich überschlagen und es eine klassische „Reise zur Rettung des Reiches“ Geschichte wird, fühlt man sich stellenweise wie bei einer Rollenspiel Kampagne, die fröhlich ausgewürfelt wird. Deus Ex Machina, soweit das Auge liest. Das macht für mich aber den großen Spaß am Lesen aus. Während andere Autoren neuerdings mehr auf „realistischere“ Fantasy Romane setzen, in der die phantastischen Elemente eher eine kleine Rolle spielen, wird hier aus den Vollen geschöpft. Elfen, Greifenreiter, Nekromanten? Alles da. Viel hilft viel. Und sorgt in diesem Fall für einen wirklich unterhaltsamen Lesespaß. Hier wird wirklich alles an phantastischen Dingen genommen und zusammengeworfen. Das aber mit viel Geschick. Die Welt von Askir wirkt zwar bunt und überladen, aber Richard Schwartz gestaltet sie sehr dicht und lebendig. Wilde Nordmänner, ein arabisch anmutendes Reich der Händler, mysteriöse Kampfkünste aus dem Osten und die letzte Bastion einer untergegangen Kultur, die Jahrhundertelang die Welt zusammengehalten hat: das Alles hat man tatsächlich irgendwie schon einmal so oder so ähnlich gelesen. Aber, es kommt ja nicht immer darauf an, ein total originelles Buch zu schreiben. Schnelle Action, überzeugende Charaktere und eine unterhaltsame Hintergrundgeschichte sind für mich manchmal unterhaltsamer als irgendetwas krampfhaft auf Neu gemachtes.

Und Unterhaltung liefert „Askir“ jede Menge. Wie gesagt, man hört im Hintergrund immer wieder die Würfel fallen, aber dennoch: wer ganz klassische Fantasy mag, sollte definitiv einen Blick riskieren. Diese Reihe macht mir persönlich richtig Spaß.

Die mir vorliegende Ausgabe gehört zu einer Reihe mit insgesamt 3 Bänden, die den Kompletten „Das Geheimnis von Askir“ Zyklus beinhalten. Der Klappentext wirbt außerdem damit, dass die Illustrationen und die Karte das Buch besonders spannend machen. Nun ja. Ich mag Karten nicht existierender Länder wirklich sehr gerne. Allein von Mittelerde habe ich ein dutzend Karten, von der großen Übersicht bis hin zu den Detailkarten der alten Elbenreiche und Numenors. Eine davon ist sogar selbst gemalt. Ein Buch lesen und mit dem Finger die Reise verfolgen zu könen, das hat mich schon immer fasziniert. Besonders wenn die Karte komplett aus dem Kopf des Autors entsprungen ist. Insofern ist eine Karte wirklich nicht schlecht. In diesem Fall jedoch werde ich nicht schlau daraus. Zu sehen ist Havalds Heimatland, mit dem Gasthaus an dessen Grenze. Der Großteil der Handlung jedoch spielt in Städten und Ländern, die auf der Karte nicht zu sehen sind. Das ist etwas Schade. Aber nun gut, es ist ja nur ein Bonus.